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Netto & Gehalt

Zeitarbeit in der Pflege: Die ehrliche Rechnung hinter dem höheren Stundenlohn

Von Franz Chieu·Lesezeit 8 Min.·Leipzig
Illustration: Koffer, Münzen und Waage — Zeitarbeit in der Pflege

Mehr Geld. Weniger Einspringen. Wunschdienste. Und endlich wieder das Gefühl, selbst über den Dienstplan bestimmen zu können. Wenn du gerade die dritte Nacht hinter dir hast, im Frei für eine kranke Kollegin eingesprungen bist oder wieder einmal zwei Wochen vor Monatsbeginn nicht weißt, wie dein Dienstplan aussieht, klingt Zeitarbeit verständlicherweise attraktiv. Und vieles daran kann tatsächlich attraktiv sein.

Aber der Stundenlohn allein beantwortet noch nicht die wichtigste Frage: Ist Zeitarbeit für dich langfristig wirklich finanziell besser — oder sieht sie nur auf der Gehaltsabrechnung besser aus? Dieser Artikel vergleicht deshalb nicht nur Monatsnetto und Stundenlohn, sondern auch Planbarkeit, Zusatzversorgung, Sonderzahlungen, Fahrtwege, berufliche Entwicklung und Altersvorsorge.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Arbeitsrechtsberatung. Arbeitsbedingungen unterscheiden sich je nach Arbeitgeber, Tarifvertrag und persönlichem Vertrag erheblich.

Warum Zeitarbeit für Pflegekräfte so attraktiv sein kann

Die Argumente dafür sind nicht erfunden. Viele Pflegekräfte wechseln nicht ausschließlich wegen des Geldes. Sie wechseln, weil sie mehr Kontrolle über ihren Alltag möchten. Je nach Anbieter und Vertrag können beispielsweise attraktiv sein:

Gerade nach Jahren mit kurzfristigem Einspringen, Personalmangel und ständig wechselnden Dienstplänen kann diese Freiheit enorm viel wert sein. Aber: Zeitarbeit ist nicht gleich Zeitarbeit. Ein Anbieter zahlt vielleicht einen hohen Stundenlohn, aber wenig zusätzliche Leistungen. Ein anderer bietet einen geringeren Stundenlohn, übernimmt dafür Fahrtkosten, zahlt eine Sonderzahlung oder bietet eine betriebliche Altersversorgung. Deshalb solltest du nie nur den Stundenlohn vergleichen.

Der erste Fehler: Stundenlohn mit Gesamtvergütung verwechseln

Nehmen wir zwei Pflegefachkräfte. Die eine arbeitet bei einem kommunalen Krankenhaus nach TVöD-P. Die andere bei einem Personaldienstleister. Die Pflegefachkraft in der Zeitarbeit hat vielleicht auf den ersten Blick den höheren Stundenlohn. Aber eine saubere Rechnung schaut zusätzlich auf:

Erst daraus entsteht die tatsächliche Vergütung.

Was eine Festanstellung zusätzlich wert sein kann

Bei einer tarifgebundenen Festanstellung können neben dem Monatsgehalt weitere Leistungen dazugehören. Im TVöD zählen beispielsweise tarifliche Stufensteigerungen, Jahressonderzahlungen und — bei entsprechenden Arbeitgebern — eine Zusatzversorgung wie die VBL dazu. Das bedeutet: Ein Teil deiner Vergütung landet nicht direkt auf deinem Girokonto. Er zeigt sich beispielsweise in

Gerade diese unsichtbaren Bestandteile gehen im Vergleich „Stundenlohn gegen Stundenlohn“ schnell verloren.

Beispiel TVöD-P

Seit Mai 2026 liegt das Tabellenentgelt in der kommunalen Pflege beispielsweise je nach Entgeltgruppe und Stufe deutlich auseinander. Eine Pflegefachkraft in P 7 erhält aktuell je nach Stufe ungefähr zwischen 3.510 und 4.305 Euro monatlichem Tabellenentgelt. In P 8 reicht die Tabelle von rund 3.701 bis 4.489 Euro. Dazu können Zulagen und Zuschläge kommen.

Das zeigt: Auch „Festanstellung“ ist keine einzelne Gehaltszahl. Berufserfahrung, Eingruppierung und Stufe machen einen erheblichen Unterschied.

Aber auch Zeitarbeit ist nicht „nur Stundenlohn“

Wenn du als Leiharbeitnehmer:in beschäftigt bist, bist du Arbeitnehmer:in deines Personaldienstleisters. Du wirst nicht nur bezahlt, solange du gerade auf einer Station eingesetzt bist. Auch in verleihfreien Zeiten besteht grundsätzlich Anspruch auf Arbeitsentgelt gegenüber deinem Arbeitgeber. Das bedeutet: „Kein Einsatz = kein Gehalt“ ist bei einem regulären Arbeitsverhältnis in der Arbeitnehmerüberlassung nicht die normale Rechtslage.

Trotzdem solltest du genau prüfen:

Gerade diese Vertragsdetails sind oft wichtiger als die große Zahl auf der Stellenanzeige.

Equal Pay: Was du kennen solltest

Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz sieht grundsätzlich eine Gleichstellung mit vergleichbaren Beschäftigten des Einsatzbetriebes vor. Bei der Bezahlung können tarifvertragliche Regelungen allerdings zunächst Abweichungen ermöglichen. Grundsätzlich darf durch einen entsprechenden Tarifvertrag in den ersten neun Monaten eines Einsatzes beim selben Entleiher vom Equal-Pay-Grundsatz abgewichen werden. Bei bestimmten tariflichen Branchenregelungen kann eine stufenweise Heranführung länger dauern.

Das klingt kompliziert — ist aber für dich praktisch wichtig. Wenn du länger beim gleichen Krankenhaus eingesetzt wirst, solltest du deshalb wissen: Welche tarifliche Grundlage gilt für meinen Vertrag — und wie verändert sich meine Vergütung mit zunehmender Einsatzdauer?

Zusatzversorgung: Einer der wichtigsten Unterschiede

Wenn du heute im öffentlichen Dienst beschäftigt bist, hast du möglicherweise eine betriebliche Zusatzversorgung, beispielsweise über die VBL oder eine kommunale Zusatzversorgungskasse. Das ist ein echter Vermögenswert. Bei der VBL fließen zusätzlich zu deinem eigenen Anteil auch Beiträge beziehungsweise Umlagen des Arbeitgebers in die Zusatzversorgung. Im Westen beträgt der Arbeitgeberanteil an der VBL-Umlage 2026 beispielsweise 5,49 Prozent des zusatzversorgungspflichtigen Entgelts.

Das bedeutet aber nicht: „Zeitarbeit = keine Betriebsrente.“ Auch ein Personaldienstleister kann eine betriebliche Altersversorgung anbieten. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was habe ich heute — und was bietet mir der neue Arbeitgeber konkret? Wenn du eine gut ausgestattete Zusatzversorgung verlässt und beim neuen Arbeitgeber deutlich weniger bekommst, sollte dieser Unterschied in deinem höheren Gehalt berücksichtigt werden.

Jahressonderzahlung: Auch sie gehört in den Vergleich

Im TVöD gibt es eine tarifliche Jahressonderzahlung. Seit 2026 beträgt sie im kommunalen TVöD grundsätzlich 85 Prozent der maßgeblichen Bemessungsgrundlage; für bestimmte Pflege- und Betreuungseinrichtungen beziehungsweise Entgeltbereiche können 90 Prozent gelten. Bei Zeitarbeitsunternehmen hängt eine Sonderzahlung dagegen vom jeweiligen Tarif- oder Arbeitsvertrag ab.

Deshalb solltest du nicht fragen: „Bekomme ich Weihnachtsgeld?“ Sondern: „Wie hoch ist meine gesamte Jahresvergütung?“ Denn 300 Euro mehr im Monat wirken anders, wenn auf der anderen Seite eine größere Jahressonderzahlung oder andere Leistungen entfallen.

Was ist mit Stufensteigerungen?

Hier hat die tarifliche Festanstellung einen klar sichtbaren Mechanismus. Mit zunehmender Erfahrung kannst du innerhalb deiner Entgeltgruppe in höhere Stufen aufsteigen. Dadurch steigt dein Tabellenentgelt, ohne dass du jedes Mal dein Gehalt neu verhandeln musst.

In der Zeitarbeit hängt die Gehaltsentwicklung stärker vom Tarifvertrag, Arbeitgeber und deiner eigenen Verhandlung ab. Das kann ein Nachteil sein. Es kann aber auch ein Vorteil sein, wenn du bereit bist, regelmäßig neu zu verhandeln oder den Arbeitgeber zu wechseln. Deshalb ist die richtige Frage: Wo stehe ich gehaltlich in fünf Jahren, wenn ich einfach weitermache wie bisher?

Fahrtzeit und wechselnde Einsatzorte: Geld ist nicht alles

Hier kommt ein Punkt, den viele Hochglanzrechnungen unterschätzen. Ein Einsatz in einem anderen Krankenhaus kann bedeuten:

Deshalb solltest du bei jedem Angebot genau klären: Wo darf ich eingesetzt werden? Ein hoher Stundenlohn verliert schnell an Attraktivität, wenn du täglich zusätzlich zwei Stunden im Auto sitzt. Gerade für Pflegekräfte, die ohnehin Schichtdienst leisten, ist Zeit ein wichtiger Teil der Vergütung. Eine Stunde mehr Freizeit kann manchmal mehr wert sein als ein paar Euro zusätzlicher Stundenlohn.

Zeitarbeit kann auch fachlich anstrengend sein

Abwechslung klingt attraktiv. Sie bedeutet aber auch: Neue Station. Neue Abläufe. Andere Dokumentation. Andere Medizintechnik. Andere Kolleg:innen. Andere Gewohnheiten. Und manchmal sollst du am ersten Tag trotzdem möglichst sofort funktionieren.

Wer Veränderungen liebt und sich schnell in neue Teams einfindet, kann genau darin einen Vorteil sehen. Wer dagegen langfristige Beziehungen zu Kolleg:innen und Patient:innen schätzt oder sich fachlich auf einer bestimmten Station entwickeln möchte, erlebt häufig das Gegenteil. Auch das gehört in die persönliche Rechnung.

Was bedeutet Zeitarbeit für Karriere und Weiterbildung?

Wenn du langfristig Stationsleitung, Praxisanleitung, Fachweiterbildung oder eine andere interne Funktion anstrebst, kann eine Festanstellung Vorteile haben. Krankenhäuser investieren häufig gezielt in Mitarbeitende, die dauerhaft im Haus bleiben. In der Zeitarbeit kann berufliche Entwicklung anders organisiert sein. Auch hier gilt: nicht automatisch schlechter. Aber du solltest fragen:

Gerade wenn du nicht bis zur Rente im Dreischichtsystem arbeiten möchtest, ist diese Frage wichtig.

Der ehrliche Finanzvergleich

Statt eines pauschalen Zehn-Jahres-Siegers würde ich so rechnen:

FrageFestanstellungZeitarbeit
Monatsgehalttariflich bzw. vertraglichhäufig individuell/tariflich
Zuschlägetariflich geregeltabhängig vom Vertrag
Jahressonderzahlunghäufig tariflichabhängig vom Vertrag
Zusatzversorgunghäufig vorhandenindividuell prüfen
Stufensteigerungentariflich geregeltabhängig vom Arbeitgeber
Einsatzortmeist relativ konstantkann wechseln
Planbarkeit der Dienstestark vom Arbeitgeber abhängigkann besser sein, muss aber vertraglich passen
Fortbildung/Karrierehäufig interne Strukturenabhängig vom Anbieter
Vergütung zwischen EinsätzenArbeitsentgeltanspruchebenfalls Arbeitsentgeltanspruch im regulären Arbeitsverhältnis
Verhandlungsspielraumbegrenzt durch Tarifhäufig größer

Damit wird deutlich: Es gibt keinen automatischen Sieger. Der bessere Vertrag ist der, der zu deiner Lebensphase passt.

Wann Zeitarbeit besonders interessant sein kann

Zeitarbeit kann beispielsweise gut passen, wenn du

Auch nach Jahren auf derselben Station kann ein Wechsel dabei helfen, den eigenen Marktwert neu kennenzulernen. Für manche Pflegekräfte ist allein die Möglichkeit, konsequenter Nein zu Zusatzdiensten sagen zu können, ein erheblicher Gewinn an Lebensqualität.

Wann eine Festanstellung attraktiv bleiben kann

Eine feste Stelle kann besonders interessant sein, wenn dir wichtig sind:

Auch bei einer geplanten Immobilienfinanzierung oder Familiengründung kann eine möglichst gut planbare Einkommens- und Arbeitssituation angenehm sein. Dabei gilt allerdings: Auch ein Arbeitsverhältnis in der Zeitarbeit kann unbefristet und langfristig stabil sein. Die Vertragsform solltest du deshalb immer konkret prüfen und nicht aus dem Begriff „Zeitarbeit“ ableiten.

Wenn du wechselst: Das solltest du vorher berechnen

Bevor du kündigst, leg beide Angebote einmal nebeneinander. Nicht Monat gegen Monat. Sondern Jahr gegen Jahr. Schau dir mindestens an:

  1. Jahresgrundgehalt
  2. realistische Zuschläge
  3. Jahressonderzahlungen
  4. betriebliche Altersversorgung
  5. Fahrt- und Reisekosten
  6. zusätzliche Fahrzeit
  7. Urlaubstage
  8. Fortbildungsleistungen
  9. Arbeitszeit und Arbeitszeitkonto
  10. mögliche Prämien

Dann kommt die wichtigste Zahl: Wie viel bleibt nach allen Unterschieden tatsächlich zusätzlich übrig? Vielleicht sind es 600 Euro im Monat. Vielleicht nur 200 Euro. Vielleicht ist das neue Angebot sogar schlechter, obwohl der Stundenlohn höher aussieht. Erst danach solltest du entscheiden, was dir Flexibilität, Abwechslung und Planbarkeit persönlich wert sind.

Wenn das Einkommen steigt: Nicht alles mitwachsen lassen

Angenommen, du wechselst und hast tatsächlich jeden Monat deutlich mehr Geld zur Verfügung. Dann entsteht die nächste Gefahr: Dein Lebensstandard wächst einfach mit. Das neue Auto wird etwas größer. Der Urlaub etwas teurer. Die Wohnung etwas schöner. Und nach drei Jahren fragst du dich, wo eigentlich das höhere Einkommen geblieben ist.

Deshalb kann eine einfache Regel helfen: Entscheide vor dem ersten höheren Gehalt, was mit dem Mehrverdienst passieren soll. Ein Teil darf selbstverständlich dein Leben heute verbessern. Ein anderer Teil kann beispielsweise in

So wird aus dem höheren Einkommen tatsächlich mehr Vermögen — und nicht nur mehr Konsum. Mehr dazu: ETF-Sparplan für Pflegekräfte und Altersvorsorge für Pflegekräfte.

Kostenloses Erstgespräch

Du überlegst, aus deiner Festanstellung in die Zeitarbeit zu wechseln? Dann vergleichen wir nicht nur zwei Stundenlöhne, sondern deine gesamte Situation: Grundgehalt, Zuschläge, Sonderzahlungen, Zusatzversorgung, Fahrtkosten, Arbeitszeit, Altersvorsorge und das, was am Ende tatsächlich für dich übrig bleibt — damit du nicht nur weißt, welcher Vertrag mehr zahlt, sondern welcher besser zu deinem Leben passt. Per Zoom oder persönlich in Leipzig. Jetzt Termin anfragen oder per WhatsApp schreiben.

Fünf Fragen vor deiner Unterschrift

Bevor du einen Zeitarbeitsvertrag unterschreibst, solltest du diese Fragen beantworten können:

  1. Wie hoch ist mein garantiertes monatliches Brutto — unabhängig vom konkreten Einsatz?
  2. Wie werden Fahrtzeit, Fahrtkosten und mögliche Übernachtungen geregelt?
  3. Welche Zuschläge, Sonderzahlungen und Prämien sind verbindlich vereinbart?
  4. Welche betriebliche Altersversorgung und Fortbildungsleistungen bekomme ich?
  5. Wie funktioniert mein Arbeitszeitkonto und was passiert zwischen zwei Einsätzen?

Wenn dir jemand diese Fragen nicht klar beantworten kann, ist nicht dein Taschenrechner das Problem. Dann fehlt Transparenz im Angebot.

Fazit: Nicht der höchste Stundenlohn gewinnt

Zeitarbeit in der Pflege kann finanziell und persönlich eine sehr gute Entscheidung sein. Eine Festanstellung ebenfalls. Der Fehler entsteht erst, wenn du beide ausschließlich anhand des Stundenlohns vergleichst. Denn dein Arbeitsleben besteht nicht nur aus Geld. Es besteht auch aus: Zeit, Planbarkeit, Wegstrecke, Team, beruflicher Entwicklung, Absicherung und Freiheit.

Deshalb solltest du bei einem Wechsel nicht fragen: „Wo verdiene ich mehr pro Stunde?“ Sondern: „Bei welchem Modell bekomme ich für meine Arbeit insgesamt das bessere Paket — heute und in einigen Jahren?“ Wenn du diese Rechnung kennst, kannst du dich bewusst entscheiden. Nicht für Zeitarbeit. Nicht gegen Zeitarbeit. Sondern für die Variante, die zu deinem Leben passt.

Hinweis: Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen nach dem Stand September 2026 und ersetzt keine individuelle Rechts-, Finanz-, Steuer- oder Anlageberatung. Arbeitsverträge, Tarifverträge und betriebliche Leistungen unterscheiden sich erheblich. Prüfe die konkreten Vertragsbedingungen vor einem Wechsel.

Über den Autor

Franz Chieu ist Finanzplaner aus Leipzig und auf die finanzielle Situation von Pflegefachkräften spezialisiert.

Quellen:

Festanstellung oder Zeitarbeit? Ehrlich durchgerechnet

Wir vergleichen nicht zwei Stundenlöhne, sondern dein gesamtes Paket — Jahr gegen Jahr, inklusive Zusatzversorgung und Altersvorsorge.

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